Neugier genügt im WDR 5 – Georg Winkel über den Wald in 100 Jahren

Was bedeutet Resilienz, wie sieht der Wald in 100 Jahren aus und wann ist ein Baum eigentlich so richtig alt? Diese und mehr Fragen beantwortete Georg Winkel Mitte Mai in einem Interview im WDR 5. In dem Interview mit Moderator Jürgen Wiebicke erzählt der Leiter des Resilience Programmes des European Forest Institute (EFI) nicht nur von seinem (neuen) Lieblingswald in Oberwinter mit den alten Bäumen und der fast schon romantischen Atmosphäre, sondern auch von den Konsequenzen des Klimawandels auf europäische Wälder und diskutiert darüber, wie man den ökonomischen Wert des Waldes bemessen kann.
So schön warm es auch ist im bisher wärmsten Mai seit der Wetteraufzeichnung, muss man sich doch gerade jetzt bewusst sein über die Herausforderungen, die für den Wald zusammen mit den Temperaturen steigen, so Winkel.  Wie man mit diesen Herausforderungen umgehen kann, erforscht das “Forest Resilience”-Programm von European Forest Institute in Bonn. „Resilienz beschreibt die Fähigkeit eines Systems, in unserem Fall der Wald, auf eine Störung wie zum Beispiel einen starken Sturm oder eben die Veränderung des Klimas so zu reagieren, dass ein ähnlicher Zustand wie der Ausgangszustand wieder hergestellt wird.“ Das gestaltet sich kompliziert, denn nach solchen Störungen sieht der Ausgangszustand in der Zukunft häufig ganz anders aus.

Als Forstwissenschaftler sorgt Georg Winkel im Resilience-Programm dafür, dass Holzproduktion und Naturschutz miteinander verbunden werden. Stichwort ist die “nachhaltige Nutzung des Waldes”. Das bedeutet zum Beispiel, dass neben den Gebieten, die für die wichtige Holzproduktion genutzt werden, bestimmte Areale sich selbst überlassen bleiben und so sehr viel Lebensraum für kleine und große Tiere und Pflanzen bieten können. Außerdem bedeutet es, dass man die Integration solcher Naturschutzelemente in die Areale, die für die Holzproduktion genutzt werden, ebenfalls fördert. So schafft man auf großen (ökonomisch genutzten) Flächen viele kleine Lebensräume, erklärt Georg Winkel. Welchen ökonomischen und welchen ökologischen Wert ein Baum hat, kann im sogenannten Marteloskop, dem „praxisnahen Trainingstool für Waldbauer“, errechnet werden. Hier haben FörsterInnen, NaturschützerInnen und ForstwissenschaftlerInnen die Möglichkeit, den ökonomischen und ökologischen Wert eines Baums auszurechnen, um daraufhin zwischen “jetzt ernten, auch in Zukunft stehen lassen oder für die zukünftige Ernte stehen zu lassen” abzuwägen.

„Ich glaube, was wir spannend finden, ist von den Naturschützern zu lernen, die nach solchen Übungen zu uns sagen: ‘Ich wusste ja gar nicht, worin der ökonomische Wert eines Holzstammes so besteht’. Andererseits hören wir teilweise von Förstern, sie seien ja doch überrascht darüber, was als Mikrohabitat für Pflanzen und Tiere interessant ist. Was wir auch lernen und was vielleicht das Wichtigste ist, ist, dass häufig Synergien möglich sind, wenn beide Seiten bereit sind, Abstriche zu machen”, so Winkel.

Dabei spielt das Alter des Baumes natürlich auch eine Rolle, erklärt der Leiter des Bonner Büros. Die Frage, wann ein Baum so richtig alt ist, ist gar nicht so leicht zu beantworten –  vor allem, weil die Antwort von Land zu Land ganz unterschiedlich ausfällt. Was wir sagen können ist, dass die Fülle des Lebensraums mit den Jahren zunimmt. Der ökologische übersteigt dadurch eventuell den ökonomischen Wert. Die richtige Entscheidung zu treffen hängt hier oft von der Absicht des Betrachters ab, erklärt Winkel.

Als Forstwissenschaftler basieren Entscheidungen über die Zukunft meist auf Tendenzstudien, die heute in Richtung Temperaturerwärmung deuten. Daher ist es sinnvoll, beim Anpflanzen auf Bäume aus dem Süden zu setzen. Aber der Mix macht es, erläutert Winkel, also sollten wir keine Scheu vor dem Mischwald haben.
Hier zu entscheiden welche Baumart am resilientesten sein und unseren Kindeskindern in 100 Jahren noch Schatten spenden wird, ist nur eine von vielen Zukunftsaufträgen der Forstwissenschaft.


Hier geht es zum vollständigen Interview

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