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Der tote Taucher im Wald – Gedanken zur Feuerbekämpfung aus der Luft

Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere an den Tatort „Der tote Taucher im Wald“. Ein Löschflugzeug schöpft Wasser, ein Taucher landet in einem Waldbrand…Die gegenwärtige Diskussion über Löschflugzeuge in Deutschland erinnerte mich jedenfalls daran.

Während wir schon jetzt bis August 2019 teilweise überraschende Ausmaße der Waldbrände feststellen müssen, wird kontrovers über den Umgang mit Feuer und den möglichen Löschmöglichkeiten diskutiert. Auch wir haben uns zum Thema integriertes Feuermanagement hier auf diesem Blog hinreichend geäußert und wollen nun auch zur Diskussion über Löschflugzeuge beitragen, im Folgenden ein paar Gedanken.

Das Argument, wir brauchen in Deutschland keine Löschflugzeuge, weil es nicht genügend große Wasserflächen gibt, basiert offensichtlich auf der Annahme, dass alle Löschflugzeuge amphibisch im Flug Wasser aus einem See schöpfen. Dem ist nun mal bei Weitem nicht so!

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass die Masse aller Löschflugzeuge auf einfachen Pisten, (Sportflugplätzen, Wiesen) landet, mit Wasser oder Löschmittel betankt wird und dann wieder startet. Es sind also nur einfache Landepisten und Wassertanks nötig und keine großen Wasserflächen. So kommt beispielsweise Südafrika mit dieser Herangehensweise ohne ein einziges amphibisches Löschflugzeug aus.

Ein weiterer Gedanke -und mindestens so wichtig- ist die Frage nach dem „Warum“ und „Wann“ wir in Deutschland aus der Luft löschen, sei es per Hubschrauber oder Flugzeug. In aller Regel kommt die Unterstützung aus der Luft in Deutschland spät, eben erst wenn sich ein Brand ausgeweitet hat. Auch im internationalen Vergleich sieht man oft medienwirksam Löschflugzeuge bei Grossbränden, die dann aber oft ohne Wirkung bleiben.

Eine bessere Alternative wäre, die Mobilisierung der „Air Force“ nicht erst an Tag 3 oder 4 eines Brandes vorzunehmen, sondern diese Mobilisierung an die aktuelle Waldbrandgefahrenprognose anzupassen. Ganz praktisch gesehen, bedeutet dies bei Warnstufe orange und rot, sitzen die Piloten buchstäblich schon in den Maschinen und starten bei der ersten Meldung von Rauch, ganz nach dem Motto: „Be there fast and hit hard.“ Kleine Feuer, also Entstehungsbrände sind natürlich leichter zu löschen, dann würde oft schon ein “Abwurf” genügen. Ich spreche hier ganz bewusst nicht von den Löschflugzeugen aus dem Tatort, sondern von kleinen, wendigen sogenannten SEATs (Single Engine Air Tankers).

Dass wir natürlich zuallererst unsere Hausaufgaben im Feuermanagement am Boden erledigen müssen, ist dabei selbstverständlich und sei an dieser Stelle nur nochmal kurz erwähnt. Die ganze Bekämpfung aus der Luft kann nicht viel ausrichten, wenn am Boden nicht adäquat und kompetent gehandelt wird. Und das betrifft sowohl den präventiven Brandschutz der Landeigentümer als auch den eigentlichen Löschvorgang.

Auch ein gemeinsames Handeln auf europäischer Ebene muss gestärkt werden. Wir brauchen einen europäischen Ansatz, da es sich um ein Problem handelt, das nicht an nationalen Grenzen enden wird. Das RescEU Programm der EU bietet dabei nicht nur eine geeignete Plattform für den Austausch von Wissen und länderübergreifende Kooperationen, sondern verfügt über finanzielle Mittel, welche die Länder für ihr Feuermanagement und damit auch in die Beschaffung von Maschinen investieren könnten.

Wir möchten hier die bereits erwähnten, kostengünstigen SEATs (Single Engine Air Tankers), die sich in der Praxis bereits bewährt haben, kurz vorstellen, damit die Diskussion nicht von den aus Film und Fernsehen bekannten amphibischen, sogenannten Canadairs dominiert wird.

Aerial Fire Fighting – Geschwindigkeit des Erstangriffes ist entscheidend (aber ohne integriertes Feuermanagement am Boden bleibt es eher symbolisch)

Warum Flugzeuge schnell und früh bei hoher Waldbrandgefahr?

  • Erfolgt der Erstangriff schnell, sind die Entstehungsbrände in aller Regel noch klein und können mit wenig Einsatz effektiv bekämpft werden. Gerade bei hoher Waldbrandgefahr müssten die Flugzeuge und ihre Piloten sinngemäß „auf Abruf bereit“ in ihren voll betankten Fliegern sitzen.

Frühwarnung und Detektion

  • Schnelle Detektion und Lokalisierung von Bränden ist entscheidend. Kamerasyteme sind hier enorm nützlich und Patroullienflüge, eventuell sogar mit SEATs über besonders gefährdeten Gebieten sollten erwägt werden, bevor es zum Großbrand kommt. Der Waldbrandgefahrenindex  des DWD oder der europäische FWI sollte also das Stand-by oder Aktivierungs-Kriterium sein, nicht die Größe eines Feuers.

Was bietet sich an für Erstangriff und Patrouillenflüge?

  • SEATs, wie der Air Tractor 802, um ein Beispiel zu nennen. Vergleichsweise kosteneffizient, schnell, robust, vielseitig. Der AT802 kann knapp über 3000 Litern Wasser bis zu fünf Stunden in der Luft bleiben (Patrouille), kann zum Befüllen auf Sportflugplätzen, Pisten und sogar auf Acker und Wiesen landen und ist dadurch sehr schnell wieder über dem Einsatzgebiet.

Weiterführende Informationen:

Photo credit: @Air Tractor

Videos taken by Mato Grosso, Militar Fire Department, Amazon, Brazil.

2 Comments

  1. Jan Südmersen
    Jan Südmersen August 13, 2019

    Das liest sich ja ganz nett – aber wie viele Flugzeuge an wievielen Standorten brauchen wir in D – let alone in Brandenburg/Niedersachsen, um einen Erstangriiff fliegen zu können – also bevor der Wald mit Löschfahrzeugen zu geparkt ist?

    Zum Vergleich – Polen hat an 25 Standorten 50 Flugzeuge stationiert.

    Wenn wir alle anderen Hausaufgaben erledigt haben – inkl. eine Flotte von schnell verfügbaren (universell einsatzbaren) Hubschraubern, dann ist Löschflugzeug ein Thema – und dann sich in Koop mit anderen, europäischen Partnern…

  2. Alex Held
    Alex Held August 15, 2019

    Hallo Jan,
    Ich sage ja nichts von flächicher Stationierung von SEATs, sondern will nur aufklärend in die Diskussionen eingreifen. Denn im Moment ist mein Eindruck….die Diskussionen werden auf Niveau des toten Tauchers im Wald geführt…. Gruß, Alex

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