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Zu viel heiße Luft? Die vielen Gesichter des Waldes im Klimawandel

Im Rahmen der öffentlichen Ringvorlesung „Aspekte der Erderwärmung“ hielt Georg Winkel, Leiter des Bonner EFI Büros eine Onlinevorlesung mit dem Titel: „Zu viel heiße Luft. Europas Wälder im Klimawandel zwischen Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft“. In Zusammenarbeit mit seinem EFI-Kollegen Marcus Lindner referierte er zur Situation europäischer Wälder im Klimawandel.

Die zu beobachteten Veränderungen der (europäischen) Wälder und ihre Rolle in der Bekämpfung des Klimawandels sind ein zentraler „Aspekt der Erderwärmung“. Unter diesem Titel werden Vorlesungen aus verschiedenen Fachbereichen und Disziplinen aufgezeichnet, die sich alle mit den Ursachen, Erklärungen und Konsequenzen eines ändernden Klimas befassen. Die öffentliche Vorlesungsreihe wird auf Einladung von Niko Froitzheim, Professor am Institut für Geologie der Universität Bonn, organisiert, und von „Students for Future“ moderiert.

Der Wald hat wirklich viele Gesichter im Klimawandel, so begann Georg Winkel und fokussierte auf zwei maßgebliche: Im ersten Teil des Vortrags ging es um die „Wirkungen des Waldwandels auf das Klima“, im zweiten dann um die „Wirkung des Klimawandels auf den Wald“, wobei beides natürlich im Zusammenhang betrachtet werden muss.

Georg WInkel beginnt die Präsentation, die Teil der digitalen Ringvorlesung “Aspekte der Erderwärmung” ist.

Wälder spielen eine zentrale Rolle im globalen Kohlenstoffzyklus und sind hier sowohl Teil des Problems als auch der Lösung beim Klimawandel. Einerseits generiert Entwaldung 12% der globalen Treibhausgasemissionen – heute vor allem in tropischen Regionen. Andererseits fungieren Waldökosysteme und Holzproduktspeicher als wesentliche Senken, die also einen erheblichen Teil der Emissionen des Kohlenstoffs über die Photosynthese in die Waldökosysteme miteinbinden. Die Nutzung insbesondere von langlebigen Holzprodukten ermöglicht darüber hinaus auch Klimaschutz außerhalb des Waldes. Der Blick auf Europa verdeutlicht das. Innerhalb der EU werden etwa 12 % der gesamten CO2-Emissionen durch Wälder gebunden. Wald und Waldwirtschaft sind somit in der Diskussion um die Abmilderung des Klimawandels von hoher Bedeutung – in den Tropen wie auch vor der Haustür in Europa.

Was sind mögliche Strategien des Umgangs mit der Klimawirkung des Waldes?

In der Theorie lassen sich Strategien relativ einfach aufzeigen: Die zentrale Motivation muss sein, tropische Entwaldung zu verringern, sagt Georg Winkel, aber es sollte auch darum gehen, verloren gegangene Wälder wieder herzustellen. Gleichzeitig sind aber auch überall Maßnahmen wichtig, die Kohlenstoffbindung im Wald selbst zu erhalten bzw. zu erhöhen. Hierbei sollten nicht nur die Kohlenstoffspeicher im Ökosystem Wald, sondern auch die Holzproduktion und deren Substitutionswirkung (also das Ersetzen von weniger klimafreundlichen Materialien) beachtet werden. In der Praxis sind diese Strategien jedoch teilweise nicht so einfach umsetzbar, so Georg Winkel, etwa wenn es darum geht, wachsende Bedürfnisse nach Nahrung und landwirtschaftlicher Fläche in den Tropen mit dem Ziel der Erhaltung der Kohlenstoffspeicher (und artenreicher) Wälder zu vereinbaren.

Wie wirkt sich der Klimawandels auf den Wald aus?

Eindeutig ist: wir sind mitten drin im vorhergesagten Klimawandel. Die letzten beiden Sommer waren in Mitteleuropa die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen, und der letzte Winter nahm ebenfalls einen Spitzenplatz ein. Veränderte Durchschnittswerte der Temperatur und Veränderungen des Wasserhaushalts gehen mit sich häufende Extremereignissen einher, die die Wälder auch vor der Haustür im zunehmenden Maße betreffen. Massive Dürreperioden und Begleiterscheinungen wie Borkenkäfer und Waldbrände führen hier gerade zu deutlichen Veränderungen, die für jedermann sichtbar sind und für die Forstwirtschaft in Deutschland massive Auswirkungen haben – wobei die Anpassungsfähigkeit der in Deutschland vorkommenden Baumarten unterschiedlich ausgeprägt ist.

Anpassungsstrategien sind auch hier in der Theorie schneller zu formulieren als in der Praxis. Klimaschutz und Anpassung des Waldes an den Klimawandel müssen zusammengedacht werden, dabei entstehen auch Zielkonflikte, betont Georg Winkel. Dabei hängt es auch davon ab, welche Ziele bei der Betrachtung des Waldes und seiner Anpassung an den Klimawandel im Vordergrund stehen: stellt man das Interesse an nachhaltiger Holzproduktion an erste Stelle, sind möglicherweise andere Anpassungskonzepte angezeigt, als wenn es in erster Linie um den Waldnaturschutz und die Bewahrung der biologischen Vielfalt geht. In der Praxis gibt es gleichwohl gute Möglichkeiten, beide Aspekte zu verbinden, und Konsens ist, dass es wenig Sinn macht, bei der Anpassung der Wälder alles auf eine Karte zu setzen – Vielfalt ist gefragt.

Am Schluss resümierte Georg Winkel: der Wald ist vom Klimawandel massiv betroffen, aber zugleich auch ein ganz wesentlicher Faktor im Kampf gegen den Klimawandel. Das natürliche Potenzial von Wäldern, Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu entziehen, ist eine wirkungsvolle Basis für Handlungsoptionen. Es wäre aber fatal, so Georg Winkel, Wälder als Allheilmittel beim Klimawandel anzusehen. Ohne eine signifikante global Senkung der CO2-Emissionen wird die Erderwärmung nicht zu stoppen sein.

Die komplette Vorlesung von Georg Winkel und Marcus Lindner, sowie die anderen Teile der Ringvorlesung „Aspekte der Erderwärmung“, sind auf dem YouTube Kanal der Uni Bonn abrufbar.

Teil 5 der Ringvorlesung. “Zu viel heiße Luft. Europas Wälder im Klimawandel zwischen Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft”

Titelbild “Uni Bonn”: Maria Schloßmacher

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