Foto: Manfred Witz

Marteloskop – ein „Simulator“ für die integrative Waldwirtschaft

Von Katharina Rohde und Gesche Schifferdecker

Die Entscheidung zu treffen, welcher Baum als Zukunftsbaum im Wald belassen wird und wachsen darf, und welcher Baum entnommen wird, ist nicht immer einfach. Schließlich spielen neben ökonomischen Parametern wie der Holzqualität und der Wuchsform auch ökologische Parameter, so genannte Mikrohabitate, wie beispielsweise tote Äste und Rindentaschen, bei der Entscheidung eine wichtige Rolle.

Um nachhaltige Forstwirtschaft und Naturschutz sinnvoll und anschaulich miteinander verbinden zu können, ist am 4. Juli 2018 das erste rheinland-pfälzische Marteloskop „Viergemeindewald“ eröffnet worden. Auf einer ca. 1 ha großen Waldfläche sind hier alle Bäume ab einem Brusthöhendurchmesser von 7 Zentimetern erfasst, vermessen und fortlaufend nummeriert. Zusätzlich sind für jeden Baum die ökonomischen sowie ökologischen Parameter aufgenommen.

Wild und Wald im Klimawandel – alte Kontroversen und neue Lösungsansätze

von Hans von der Goltz, Alexander Held und Christian Henschke

Spektakuläre Risiken wie Feuer oder Sturm erfahren größeres mediales Interesse als Reh oder Hirsch. Während die Wirkung von Waldbrand oder Sturm in wenigen Stunden sichtbar wird, bleiben die Folgen des Wildverbisses in einem schleichenden Prozess verborgen. Auf diese Weise ist ein Schlüsselfaktor für erfolgreiche Klimaanpassung im Wald in der öffentlichen Wahrnehmung, medial und politisch auf fatale Weise unterbelichtet.

Hintergrund: Anpassung an die Folgen des Klimawandels

Die Folgen des Klimawandels drohen die Zukunftsfähigkeit der Wälder zu gefährden. Aus diesem Grund haben Forstämter und WaldbesitzerInnen ein Leitbild für die Waldentwicklung unter Berücksichtigung des Klimawandels entworfen. Der sogenannte „klimaresiliente Wald“ sieht wie folgt aus:

  • Vielfältiger Mischwald
  • Widerstandsfähige Bäume mit großen Kronen
  • Nebeneinander von alten und jungen Bäumen
  • Artenreicher und vitaler natürlicher Baumnachwuchs
  • Durchmischung mit klimarobusten Baumarten

Die Erfahrung zeigt, dass Schälschäden (Abnagen von Rindenstücken oder Abziehen ganzer Rinden-streifen von Bäumen vor allem durch Rotwild und andere Hirscharten) und vor allem Verbiss durch Rehwild – sofern ein zu tolerierender Bereich überschreiten wird – diesem Leitbild entgegenstehen: Allzu oft verhindern überhöhte Schalenwildbestände die erfolgreiche Entwicklung vitaler, widerstandsfähiger Mischwälder.

Dieses Problem ist nicht neu, wird aber durch den Klimawandel verschärft. Gleichzeitig könnte der Klimawandel aber eine Gelegenheit sein, eine verkrustete Problemkonstellation lösungsorientiert anzugehen.