Borkenkäfer – Fluch oder Segen für unseren Wald in NRW?

2018 war ein katastrophales Jahr für den Wald in NRW – das zeigt auch der kürzlich publizierte Waldzustandsbericht.  Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser kommentierte dazu: “Unsere Wälder sind in einem besorgniserregenden Zustand. Denn durch das Zusammenwirken von Sturm im Frühjahr, gefolgt von extremer Sommertrockenheit und anschließend starkem Borkenkäferbefall in den Nadelwäldern sind die Schäden in diesem Jahr erheblich.” Die massive Population des Borkenkäfers wird derzeit kontrovers diskutiert. Besonders betroffen von dem Befall in NRW sind der Bonner Kottenforst, das Vorgebirge und das Naafbachtal. Laut Regionalforstamt Rhein-Sieg ist die Population des Borkenkäfers so hoch wie seit 1947 nicht mehr.

Während Naturschützer in dem starken Borkenkäferbefall eine regelrechte Bereicherung für die Entwicklung des Waldes sehen, argumentiert auf der Gegenseite die Forstwirtschaft, dass der aktuelle Befall dem Wald langfristig schade, weil er dazu führe, dass ganze Bestände aussterben.

Begünstigt durch den trockenen Sommer konnte sich der kleine Käfer erheblich vermehren. Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) beschreibt den Populationsschub als Zeugnis der Selbstheilungskräfte des Waldes. Dieser sei damit nicht nur in der Lage, sich an die klimabedingten Veränderungen anzupassen, indem er sich von einem Nadelforst hin zu einem Naturwald entwickele, sondern die Borkenkäfer bedeuten dem BUND zufolge auch einen Nahrungszuwachs für viele Tiere, wie etwa den Specht.

Diese durch den Borkenkäferbefall ausgelösten Veränderungen, die von Naturschützern so positiv bewertet werden, sieht die Forstwirtschaft mit starken Bedenken. Deswegen wurden in den vergangenen Monaten viele Hektar Wald kahlgeschlagen, um der Ausbreitung des Borkenkäfers entgegenzuwirken. Der BUND kritisiert dieses Vorgehen der Forstwirtschaft, da im Zuge der starken Abholzung auch der Waldboden und somit die Lebensgrundlage der Bäume gefährdet würden.

Mehr Hintergrund zu dem Thema und weiterführende Artikel hier:

Artikel im Bonner General-Anzeiger, 06.01.2019

Artikel im Bonner General-Anzeiger, 29.12.2018

Pressemitteilung von Wald und Holz NRW, 31.10.2018

BUND Statement zum Borkenkäfer-Befall im Bayerischen Wald


Julia Klöckner: Wir brauchen klimaresistentere Bäume

Laut einer dpa-Meldung vom 7. September 2018 hat Bundesminsterin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner zu den Schäden für den deutschen Wald Stellung bezogen, die unter anderem durch die lange Dürreperiode ausgelöst wurden. Besonders Fichtenbestände sind betroffen, aber beinahe alle Baumarten haben unter den extremen Wetterlagen gelitten. Das Ausmaß des Schadens kann laut Klöckner erst mit Verzögerung festgestellt werden, konkrete Zahlen werden im Herbst diesen Jahres erwartet. Natürlich spielt auch das Wetter in den kommenden Wochen eine Rolle.