Ökologischer Waldumbau in deutschem Grafenwald

Von Fichtenwald zu Mischwald, von purem Holzeinschlag zu ökologischem Campingplatz und Waldfriedhof – die Grafenfamilie von Hatzfeld setzt seit über 20 Jahren ein beeindruckendes Waldumbau-Projekt um. Mit den Herausforderungen für WaldbesitzerInnen in Deutschland, mit der Balance zwischen Holzernte und Artenschutz, mit Sturmschäden und sogenannten”Ökosystemdienstleistungen” beschäftigt sich die spannende SWR-Dokumentation Die Waldgrafen und der Sturm – Familie von Hatzfeldt erfindet ihren Forst neu. Der etwa 30-minütige Film nimmt dabei sowohl Aspekte der nachhaltigen und vielfältigen Waldnutzung als auch Naturschutz sowie das Ziel der langfristigen Resilienz des Privatwaldes gegen (klimabedingte) Störungen in den Blick.

Der “Kampf um Wald und Kohle” – wie ein Wald Kristallisationspunkt einer politischen Auseinandersetzung wurde

Der Hambacher Forst ist derzeit wohl der meist diskutierte Wald in den deutschen Medien. Dieser Wald liegt nur rund 50 Kilometer westlich von Köln direkt an Europas größtem Braunkohletagebau. Von dem ehemals 5.500 Hektar großen Wald sind heute noch rund 500 Hektar übrig. Ab Oktober diesen Jahres wird vom Energiekonzern RWE die nächste Rodungssaison geplant, nach der noch knapp 200 Hektar des Waldes verbleiben werden. Doch seit Jahren regt sich Widerstand und macht den Wald zum Schauplatz eines Kampfes „um Kohle, Wald und Klima“, wie die Deutsche Welle kürzlich titelte. Was 2012 mit einer Besetzung des Waldes durch Umweltaktivist*innen begann, umfasst heute eine breite Protestbewegung vielfältiger Akteur*innen mit Bürger*innen aus umliegenden Dörfern oder auch von weiter weg, Umweltverbänden, Kirchengemeinden und vielen weiteren, die sich für den Erhalt des Waldes aussprechen.

Waldbautraining mit Marteloskopen und moderner IT

Forstfachleute aus acht Bundesländern und aus der Schweiz tauschten sich zu den Perspektiven von IT-gestützten Waldbau-Schulungen aus.

Vom 10.-11.7.2018 trafen sich in Bonn forstliche Fachleute aus zahlreichen Bundesländern, aus der Schweiz und von Hochschulen sowie vom Europäischen Forstinstitut (EFI), um sich zum Stand und zu Perspektiven von Waldbau-Schulungen auszutauschen. Hierbei ging es vor allem um die künftige Rolle moderner Informationstechnologien und um die didaktische Weiterentwicklung von Waldbau-Schulungen. Präsentiert und diskutiert wurden Erfahrungen aus dem von EFI initiierten Integrate+-Projekt (Integration von Waldnaturschutz in die Waldbewirtschaftung und Nutzung besonderer Demonstrationsflächen) und aus den Forstverwaltungen verschiedener Bundesländer. Das Expertentreffen begann mit dem Austausch von Erfahrungen bezüglich der Nutzung von Demonstrationsflächen für die integrative Waldbewirtschaftung, sogenannte Marteloskopflächen, für unterschiedliche Trainingszwecke. Darüber hinaus wurden Beispiele aus der Praxis des Waldbau-Trainings vorgestellt und Entwicklungsperspektiven für die Waldbau-Schulung diskutiert. In Bonn sind die ersten beiden NRW-Marteloskope nach dem Integrate+-Ansatz eingerichtet. Eine dieser Flächen im Kottenforst wurde unter Führung von Uwe Schölmerich und Klaus Striepen von Wald und Holz NRW am zweiten Tag besucht, um den Erfahrungsaustausch im Wald fortzusetzen. Die Exkursion war auch verbunden mit einer virtuellen, von einer am EFI entwickelten Trainingssoftware unterstützten Durchforstungsübung.

Mit deutschsprachigen Forstchefs im Bonner Kottenforst

Am Freitag, den 6. Juli 2018, haben Wald und Holz NRW und wir, das Bonner Büro von European Forest Institute (EFI), für die ForstchefInnen von Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Luxembourg und Südtirol eine Exkursion in den Bonner Kottenforst organisiert, um uns über das Spannungsfeld Naturschutz – nachhaltige Waldwirtschaft – Nutzung des Waldes für Erholungszwecke auszutauschen. Die Exkursion fand im Rahmen eines Treffens auf Einladung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Bonn statt, bei dem waldpolitische Fragen diskutiert wurden.

Um die Integration der verschiedenen Waldfunktionen Nutz/Schutz/Erholung aus forstpraktischem Blickwinkel betrachten zu können, haben wir mit den Forstchefs die Marteloskopfläche „Jägerhäuschen“ besucht und gemeinsam mit Uwe Schölmerich, Leiter des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft, vorgestellt. Marteloskope sind Waldflächen, in denen alle Bäume genau vermessen wurden. Baumart, Durchmesser, Holzwert und ökologischer Besonderheiten wie Spechthöhlen oder Rindentaschen sind erfasst und in einer digitalen Karte dargestellt. Anhand dieser Beispiele können ForstmanagerInnen und Studierende, aber auch PolitikvertreterInnen und die interessierte Öffentlichkeit mithilfe einer Tabletsoftware im Wald selbst simulieren, wie man Naturschutzaspekte und wirtschaftliche Erwartungen miteinander in Einklang bringen kann.

FSC und Greenpeace sind sich nicht grün

Ich finde, Greenpeace International und der Forest Stewardship Council (FSC) führen einen interessanten Dialog. Warum, werde ich im Folgenden ausführen:

Am 28.3.2018 hat Greenpeace-International seine Mitgliedschaft beim FSC-International auslaufen lassen, wie die Naturschutzorganisation mitteilte. Begründet wurde dieser Schritt mit der sehr ungleichen Umsetzung der FSC-Zertifizierung von Land zu Land und mit dem Versagen der FSC-Zertifizierung beim Schutz der Wälder. Insbesondere in Hoch-Risiko-Ländern leiste der FSC hier nicht genug, so Greenpeace. Die Naturschutzorganisation meint damit Länder, in denen Demokratie und Zivilgesellschaft schwach sind und in denen ein hohes Maß an Korruption herrscht. Greenpeace empfiehlt dennoch weiterhin die FSC-Zertifizierung, solange es sich um “FSC 100%” handelt – und nicht um “FSC-Mix” oder “FSC controlled wood” – und sich die zertifizierten Wälder nicht in Hochrisiko-Regionen befinden. PEFC und andere Zertifikate unterstützt Greenpeace nach wie vor nicht.

Wild und Wald im Klimawandel – alte Kontroversen und neue Lösungsansätze

von Hans von der Goltz, Alexander Held und Christian Henschke

Spektakuläre Risiken wie Feuer oder Sturm erfahren größeres mediales Interesse als Reh oder Hirsch. Während die Wirkung von Waldbrand oder Sturm in wenigen Stunden sichtbar wird, bleiben die Folgen des Wildverbisses in einem schleichenden Prozess verborgen. Auf diese Weise ist ein Schlüsselfaktor für erfolgreiche Klimaanpassung im Wald in der öffentlichen Wahrnehmung, medial und politisch auf fatale Weise unterbelichtet.

Hintergrund: Anpassung an die Folgen des Klimawandels

Die Folgen des Klimawandels drohen die Zukunftsfähigkeit der Wälder zu gefährden. Aus diesem Grund haben Forstämter und WaldbesitzerInnen ein Leitbild für die Waldentwicklung unter Berücksichtigung des Klimawandels entworfen. Der sogenannte „klimaresiliente Wald“ sieht wie folgt aus:

  • Vielfältiger Mischwald
  • Widerstandsfähige Bäume mit großen Kronen
  • Nebeneinander von alten und jungen Bäumen
  • Artenreicher und vitaler natürlicher Baumnachwuchs
  • Durchmischung mit klimarobusten Baumarten

Die Erfahrung zeigt, dass Schälschäden (Abnagen von Rindenstücken oder Abziehen ganzer Rinden-streifen von Bäumen vor allem durch Rotwild und andere Hirscharten) und vor allem Verbiss durch Rehwild – sofern ein zu tolerierender Bereich überschreiten wird – diesem Leitbild entgegenstehen: Allzu oft verhindern überhöhte Schalenwildbestände die erfolgreiche Entwicklung vitaler, widerstandsfähiger Mischwälder.

Dieses Problem ist nicht neu, wird aber durch den Klimawandel verschärft. Gleichzeitig könnte der Klimawandel aber eine Gelegenheit sein, eine verkrustete Problemkonstellation lösungsorientiert anzugehen.

Marcus Ittermann, LoCom Media (links) und Georg Winkel (EFI Bonn)

Podcast: Resilienz-Forschung zum Wald

Was bedeutet ‘Resilienz’ im Kontext Wald, und was macht das European Forest Institute (EFI) eigentlich in Bonn? Diese und mehr Fragen beantwortete Dr. Georg Winkel, Forstwissenschaftler und Leiter des Bonner EFI-Büros in einem spannenden Interview mit dem Lokalradio. Mit ihm sprach der Journalist Marcus Ittermann, Redakteur bei Locom Media.

Die Hauptaufgaben des EFI bestehen darin, sich mit Forschungsfragen zum Thema Wald zu beschäftigen, Ergebnisse dieser Forschung in kondensierter Form in die Politik zu bringen sowie durch gezielte Kommunikations- und Pressearbeit die Öffentlichkeit auf verständliche Art und Weise mit Informationen zu versorgen. Neben diesen Aufgaben nimmt sich das Bonner Büro verstärkt dem Begriff der Resilienz an. “Unser Standort soll als ‘Resilienz-Zentrale” fungieren”, so Winkel. Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit der Wälder, sich an Veränderungen anzupassen. “Dies betrifft Themen wie den Klimawandel genauso wie den Naturschutz”, erklärt der Forstwissenschaftler. Klimatische Umstände haben enorme Effekte auf den (europäischen) Wald.  Veränderte Bedürfnisse der Menschen spielen jedoch auch eine wichtige Rolle. Hier liege einer der Knackpunkte.