SURE Projekt “on tour”: Waldbrand-Reise nach Brandenburg

von Martin Schmitt, Andreas Schuck und Alexander Held

Zwei der zahlreichen Brände in der Saison 2018 erfuhren besondere Aufmerksamkeit: Treuenbrietzen und Fichtenwalde bei Beelitz in Südbrandenburg. In Treuenbrietzen mussten drei Ortschaften geräumt. In Fichtenwalde wurde es notwendig, zwei Autobahnen (A9/A10) zu sperren. Die Situation wurde zusätzlich dadurch erschwert, dass beide Waldbrandflächen munitionsbelastet waren.

Im Rahmen einer Schulung für die “Berliner Feuerwehr Einsatzbereitschaft 4” waren wir (Andreas Schuck und Alexander Held vom EFI) in Berlin-Brandenburg unterwegs.

Der “Kampf um Wald und Kohle” – wie ein Wald Kristallisationspunkt einer politischen Auseinandersetzung wurde

Der Hambacher Forst ist derzeit wohl der meist diskutierte Wald in den deutschen Medien. Dieser Wald liegt nur rund 50 Kilometer westlich von Köln direkt an Europas größtem Braunkohletagebau. Von dem ehemals 5.500 Hektar großen Wald sind heute noch rund 500 Hektar übrig. Ab Oktober diesen Jahres wird vom Energiekonzern RWE die nächste Rodungssaison geplant, nach der noch knapp 200 Hektar des Waldes verbleiben werden. Doch seit Jahren regt sich Widerstand und macht den Wald zum Schauplatz eines Kampfes „um Kohle, Wald und Klima“, wie die Deutsche Welle kürzlich titelte. Was 2012 mit einer Besetzung des Waldes durch Umweltaktivist*innen begann, umfasst heute eine breite Protestbewegung vielfältiger Akteur*innen mit Bürger*innen aus umliegenden Dörfern oder auch von weiter weg, Umweltverbänden, Kirchengemeinden und vielen weiteren, die sich für den Erhalt des Waldes aussprechen.

Wild und Wald im Klimawandel – alte Kontroversen und neue Lösungsansätze

von Hans von der Goltz, Alexander Held und Christian Henschke

Spektakuläre Risiken wie Feuer oder Sturm erfahren größeres mediales Interesse als Reh oder Hirsch. Während die Wirkung von Waldbrand oder Sturm in wenigen Stunden sichtbar wird, bleiben die Folgen des Wildverbisses in einem schleichenden Prozess verborgen. Auf diese Weise ist ein Schlüsselfaktor für erfolgreiche Klimaanpassung im Wald in der öffentlichen Wahrnehmung, medial und politisch auf fatale Weise unterbelichtet.

Hintergrund: Anpassung an die Folgen des Klimawandels

Die Folgen des Klimawandels drohen die Zukunftsfähigkeit der Wälder zu gefährden. Aus diesem Grund haben Forstämter und WaldbesitzerInnen ein Leitbild für die Waldentwicklung unter Berücksichtigung des Klimawandels entworfen. Der sogenannte „klimaresiliente Wald“ sieht wie folgt aus:

  • Vielfältiger Mischwald
  • Widerstandsfähige Bäume mit großen Kronen
  • Nebeneinander von alten und jungen Bäumen
  • Artenreicher und vitaler natürlicher Baumnachwuchs
  • Durchmischung mit klimarobusten Baumarten

Die Erfahrung zeigt, dass Schälschäden (Abnagen von Rindenstücken oder Abziehen ganzer Rinden-streifen von Bäumen vor allem durch Rotwild und andere Hirscharten) und vor allem Verbiss durch Rehwild – sofern ein zu tolerierender Bereich überschreiten wird – diesem Leitbild entgegenstehen: Allzu oft verhindern überhöhte Schalenwildbestände die erfolgreiche Entwicklung vitaler, widerstandsfähiger Mischwälder.

Dieses Problem ist nicht neu, wird aber durch den Klimawandel verschärft. Gleichzeitig könnte der Klimawandel aber eine Gelegenheit sein, eine verkrustete Problemkonstellation lösungsorientiert anzugehen.

Marcus Ittermann, LoCom Media (links) und Georg Winkel (EFI Bonn)

Podcast: Resilienz-Forschung zum Wald

Was bedeutet ‘Resilienz’ im Kontext Wald, und was macht das European Forest Institute (EFI) eigentlich in Bonn? Diese und mehr Fragen beantwortete Dr. Georg Winkel, Forstwissenschaftler und Leiter des Bonner EFI-Büros in einem spannenden Interview mit dem Lokalradio. Mit ihm sprach der Journalist Marcus Ittermann, Redakteur bei Locom Media.

Die Hauptaufgaben des EFI bestehen darin, sich mit Forschungsfragen zum Thema Wald zu beschäftigen, Ergebnisse dieser Forschung in kondensierter Form in die Politik zu bringen sowie durch gezielte Kommunikations- und Pressearbeit die Öffentlichkeit auf verständliche Art und Weise mit Informationen zu versorgen. Neben diesen Aufgaben nimmt sich das Bonner Büro verstärkt dem Begriff der Resilienz an. “Unser Standort soll als ‘Resilienz-Zentrale” fungieren”, so Winkel. Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit der Wälder, sich an Veränderungen anzupassen. “Dies betrifft Themen wie den Klimawandel genauso wie den Naturschutz”, erklärt der Forstwissenschaftler. Klimatische Umstände haben enorme Effekte auf den (europäischen) Wald.  Veränderte Bedürfnisse der Menschen spielen jedoch auch eine wichtige Rolle. Hier liege einer der Knackpunkte.